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Post geht auf Tuchfühlung mit den Verlagen

Nach dem Verband der Zeitschriftenverleger (VDZ) hat auch der Verband der Zeitungsverleger, BDZV, die Presse-Offensive der Post scharf kritisiert. Der Verband stört sich vor allem an der Staatsnähe der Post. „Damit würden ordnungspolitische Weichenstellungen vollzogen, die dem freien Wettbewerb und einer freien Presse großen Schaden zufügen", sagte ein Sprecher. Hinter den Kulissen werden aber schon mögliche Kooperationen ausgelotet. Ein Kandidat für die Zusammenarbeit mit der Post ist die WAZ Gruppe.

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Viel Aufregung um den Vorstoß des gelben Riesen aus Bonn. Dabei steht noch gar nicht fest, ob das Gratis-Heftchen mit Computer-Tipps überhaupt jemals erscheint. Bei der Post heißt es lediglich, der Vorstand wolle in den kommenden Wochen entscheiden ob und wann ein solches Magazin starten könnte. Die Ankündigungen des Brief-Vorstandes Jürgen Gerdes in der „Financial Times Deutschland“ sind also als Testballon zu verstehen. Die Postler gucken mal, wie das Thema aufgenommen wird und sondieren, was machbar ist. Laut Post-Sprecher Manfred Harnischfeger geht es hinter den Kulissen entspannter zu als auf der öffentlichen Bühne. Es habe schon sondierende Gespräche zwischen Verlagen und der Post bezüglich Kooperationen gegeben.

Als Partner für die Post käme vor allem die Essener WAZ-Gruppe in Frage. Bei der Post ist der ehemalige WAZ-Geschäftsführer Lutz Glandt fürs Mediengeschäft zuständig. In seine Verantwortung fällt auch die geplante Computer-Zeitschrift. Die WAZ hat schon bisher wenig Berührungsängste gezeigt und kooperiert mit der Post bereits beim Vertrieb des bei Verlagen eigentlich verhassten TV- und Shopping-Heftchens „Einkauf Aktuell“ im Ruhrgebiet. Das Kalkül der Post: Sobald ein großer Verlag umfällt und mit ihnen gemeinsame Sache macht, haben die anderen Angst, etwas zu verpassen und machen auch mit. Die Post fährt dabei eine aggressive Strategie. Der Journalist Klaus Madzia hat mit seiner Aktuell Medien Redaktionsgesellschaft in Berlin offenbar bereits Nullnummern des Post-PC-Magazins produziert. Madzia hat zuletzt für die Verlagsgruppe Holtzbrinck das Frankfurter Tabloid „News“ und die Gratis-Büro-Zeitung „Business News“ gemacht. Spin-Doktoren der Post haben dafür gesorgt, dass diese Info durchgestochen wird. Das Signal an die Verlage: Zur Not können wir auch redaktionell ohne euch. Der Vertrieb ist für die Gelben ja ohnehin kein Problem. Von Kundenseite gibt es Rückendeckung für die Post-Pläne. „Die Verbindung eines gut gemachten Printprobjektes mit der direkten, adressierten Ansprache der Leser ist ein innovatives Produkt, das ganz neue Möglichkeiten der Zielgruppenkommunikation zulässt. Es hat das Potential, sowohl im klassichen Direct Marketing als auch in der Mediaplanung tiefgreifende Spuren zu hinterlassen“, sagt Frank Peter Lortz von der Media-Agentur Zenithmedia.

Nun sind die Verhandlungen eröffnet. Falls sich die Verlage bereit erklären, mit redaktionellen Inhalten rauszurücken und nicht klagen, beteiligt die Post sie vielleicht auch an den Umsätzen mit dem neuen Magazin. Eines wird jedoch bei dem Post-Vorstoß klar: Der Logistik-Konzern sitzt im Vergleich zu den Inhalte-Produzenten am längeren Hebel. Wie schon beim Thema Post-Mindestlohn und Private Briefzusteller diktiert die Post den Verlagen die Bedingungen. Für die einstmals so mächtigen Verleger eine schmerzende Erkenntnis.  

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