Gruner + Jahr vor Komplettübernahme der FTD

Die „Financial Times Deutschland” soll in Kürze komplett in den Besitz von Gruner + Jahr übergehen. Wie der Mediendienst Kress in seiner Online-Ausgabe berichtet, wird der Hamburger Verlag, dem bereits 50 Prozent der Wirtschaftszeitung gehören, die übrigen 50 Prozent von dem britischen Partner Pearson übernehmen. Damit endet der Monate währende Versuch der Briten, ihre Anteile […]

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Die „Financial Times Deutschland” soll in Kürze komplett in den Besitz von Gruner + Jahr übergehen. Wie der Mediendienst Kress in seiner Online-Ausgabe berichtet, wird der Hamburger Verlag, dem bereits 50 Prozent der Wirtschaftszeitung gehören, die übrigen 50 Prozent von dem britischen Partner Pearson übernehmen. Damit endet der Monate währende Versuch der Briten, ihre Anteile an der unrentablen FTD anderweitig zu verkaufen.

Mit der Übernahme zieht Gruner + Jahr die Konsequenzen aus den im Oktober 2007 gescheiterten Verhandlungen mit dem „Spiegel” um die Übernahme des Pearson-Anteils. Dass der britische Großverlag verkaufen will, ist seit September 2007 bekannt. Die FTD gilt zwar als qualitativ hochwertige und kompetente Tageszeitung mit Wirtschaftsschwerpunkt, bleibt aber finanziell weit hinter den gesteckten Zielen zurück. Bei rund 100.000 verkauften Exemplaren liegt die Auflage heute. Das Blatt ist im Jahr acht nach seiner Gründung ein Verlustgeschäft. Der sogenannte Break-Even-Punkt wurde Jahr für Jahr verschoben, derzeit ist 2008 avisiert.

Die „Financial Times Deutschland” war 2000 die jüngste Gründung einer großen Tageszeitung auf dem deutschen Markt. Mit dem prestigeträchtigen und kostspieligen Unterfangen unternahm der Zeitungsvorstand Bernd Kundrun den Frontalangriff auf das etablierte „Handelsblatt”. Im November desselben Jahres wurde er als Vorstandsvorsitzender berufen. Für Kundrun ist die FTD mehr als ein Verlagsprodukt: Sie ist eng mit seinen eigenen Ambitionen verbunden, ein Scheitern wäre auch ein schwerer persönlicher Schaden.

Ein Zuckerschlecken war das Projekt von Anfang an nicht. Das Joint Venture mit dem Großverlag Pearson, dem britischen Mutterhaus der englischsprachigen Wirtschaftszeitung auf rosa Papier, startete zum Beginn der New-Economy-Krise und trug G+J Anlaufverluste in dreistelliger Millionenhöhe ein. Während die FTD mit exklusiven Nachrichten und einem an der angelsächsischen Vorlage orientierten meinungsfreudigen Kurs stetig an Renommee gewann, überschritt sie 2005 erstmals die Auflagen-Grenze von 100.000 verkauften Exemplaren. Der Konkurrent Handelsblatt liegt bei knapp über 140.000. Wegen der ungünstigen Entwicklung des Anzeigengeschäfts erwog die Verlagsleitung im Februar 2007 sogar den Umfang der Zeitung zu reduzieren.

Im September 2007 gab Pearson überraschend bekannt, seinen 50-Prozent Anteil an der FTD verkaufen zu wollen. Als Interessent trat der Spiegel-Verlag auf den Plan. Das Geschäft galt als so gut wie perfekt, als im Oktober der Hauptgesellschafter des Nachrichtenmagazins, die Mitarbeiter KG, das Übernahmevorhaben des Spiegel-Geschäftsführers Mario Frank ablehnte.

Wie aus Medienkreisen verlautete, soll es noch weitere Interessenten gegeben haben. Die Verhandlungen zwischen Pearson und G+J seien mittlerweile jedoch positiv abgeschlossen worden. Mit der Übernahme macht G+J von seinem Vorkaufsrecht Gebrauch. Dass der Verlag den gegenteiligen Weg geht und sich seinerseits von seinem FTD-Anteil trennt, stand nie zur Debatte. „Die FTD, mit deren Entwicklung wir zufrieden sind, wird auch in Zukunft zu unserem Portfolio gehören“, so ein G+J-Sprecher im Oktober.

Die Nachricht von der Übernahme hat die Verlagsleitung von G+J bislang bislang nicht bestätigt. Gegenüber dem Branchendienst „Horizont.net“ sagte ein Sprecher lediglich: „Es gibt zu dieser Angelegenheit keinen neuen Sachstand“.

Der Kaufpreis soll nach Angaben der „FAZ“ bei rund neun Millionen Euro gelegen haben – eine nachvollziehbare Summe, immerhin müssten „die Hamburger als Joint-Venture-Partner eigene Umsätze und Leistungen in den Kaufpreis einrechnen“. Auch für die 120 Mitarbeiter hält die „FAZ“ die Komplettübernahme für eine „solide Lösung“.

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