Will erwägt Klage gegen den „Focus“

Immer wieder Anne Will. Nach einer "Focus"-Meldung, dass eventuell Frank Plasbergs "Hart aber fair" auf den sonntäglichen Sendeplatz von "Anne Will" rücken könnte, hat die ARD prompt reagiert. "Ihre Sendung ist sehr erfolgreich, so wie auch der Mittwochstalk von Frank Plasberg. Einen Handlungsbedarf gibt es deshalb nicht", sagte der ARD-Vorsitzende Fritz Raff. Der Vertrag solle wie geplant bis 2010 erfüllt werden. Moderatin Will erwägt jetzt, das Nachrichten-Magazin zu verklagen.

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Die Quoten von „Anne Will“ sind nach leichtem Durchhänger durchaus in Ordnung. Sie liegt stabil deutlich über 4 Millionen Zuschauern, auch mal über der 5-Millionen-Marke. Das ist in etwa das Niveau ihrer Vorgängerin Sabine Christiansen. Böse Zungen meinen zwar, die Quote von „Anne Will“ hängt stärker von der Qualität des „Tatort“ ab, der vorher läuft, als von der Qualität ihrer Sendung. Aber wenn dem so ist, dann war das bei Frau Christiansen auch nicht anders.
Warum muss nun ARD-Obermufti Fritz Raff für Will eine „Stammplatzgarantie“ (O-Ton „Süddeutsche Zeitung“) aussprechen? Das liegt an der Entstehungsgeschichte der Sendung. Als für die scheidende Sonntags-Talkerin Christiansen ein Nachfolge-Format gesucht wurde, hat die ARD zunächst RTL-Star Günther Jauch verpflichten wollen. Der hat nach langem, öffentlich ausgetragenen Hichack um seine Vertragsmodalitäten genervt abgewunken. Anschließend veranstaltete die ARD so etwas wie ein Wettrennen zwischen Anne Will und dem bereits im dritten WDR-Programm eingeführten Format „Hart aber fair“ mit Frank Plasberg. Will gewann. Immerhin steht sie als Ex-„Tagesthemen“-Präsentatorin beim NDR im Stall, der traditionell den Sonntagabend-Sendeplatz bestückt. Und wer die ARD ein bisschen kennt, weiß, dass sich kein großer Sender (NDR) von einem anderen großen Sender (WDR) einen lukrativen Sendeplatz wegschnappen lässt. Fragen der Qualität oder der Programmplanung sind da erstmal zweitrangig.
Plasbergs famose Talkshow wurde zwar auch aus dem Dritten ins Erste befördert, aber auf den vergleichsweise undankbaren Mittwochabend. Ohne Unterstützung durch einen Publikumsrenner wie „Tatort“ vorneweg.
Und überall wo es einen Gewinner (NDR) und einen Verlierer (WDR) gibt, gibt es auch Neid und Missgunst. Vor allem in der ARD. So ist zu erklären, dass einmal ein „internes“ Papier der Rundfunkräte seinen Weg in die Presse findet, in der Wills Sendung als „Betroffenen Sofa“ verunglimpft wird. Ein anderes mal meldet sich  der bis dato nicht groß in Erscheinung getretene Managerkreis der Friedrich-Ebert-Stiftung und wirft Frau Will vor, in der Sendung mit falschen Fakten hantiert zu haben. Peinlicherweise mussten sich die Stiftungs-Manager hinterher kleinlaut entschuldigen, weil sie selbst die Fakten zur Renten-Gesetzgebung nicht korrekt auf der Pfanne hatten.
Hach, und nun wollte also der „Focus“ erfahren haben, dass, bibber, bibber, der „Anne Will“-Talk kurz vor der Ablösung durch „Hart aber fair“ steht. Die ARD hat viele Probleme. U.a. die unheinheitliche Programmierung der „Tagesthemen“, ein Quoten-Desaster am Vorabend, Überalterung der Zuschauer usw. Der gepflegt-langweilige Talk von „Anne Will“ gehört nicht dazu.

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