Der Weg ins Weiße Haus führt übers Web

Die Präsidentschafts-Kandidaten kommen im Wahlkampf nicht mehr ohne Online-Netzwerke wie MySpace und YouTube aus. Kandidaten wie Barack Obama setzen sie gezielt ein, um Wählerstimmen zu gewinnen. Nun zeigen Blogs oder Internet-Zeitungen wie die „Huffington Post“, dass sie die politische Meinung von Millionen prägen können.

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Das 2005 gegründete Blog führt die Riege der Alternativmedien an, die ihre neue publistische Macht gezielt zur Meinungsbildung einsetzen. „McCain schließt Erstschlag nicht aus,“ tönt es da über den Kandidaten der Republikaner. Zum demokratische Favoriten heißt es hingegen: „Obama-Anhänger wollen 1 Million Dollar in einer Minute sammeln“. Portalchefin Arianna Huffington unterstützt Obama offensiv. Und der Politiker bevorzugt die Web-Zeitung gegenüber anderen Medien für Stellungnahmen – so etwa im Skandal um seinen Ex-Pastor Jeremiah Wright.

Die Huffington Post begann vor drei Jahren als buntes Portal, das allerlei Meldungen und die politischen Interessen seiner linksliberalen Klientel im Stil einer „digitalen Dinnerparty“ (NYT) präsentierte. Die Gründerin und Millionärin Arianna Huffington verfügt über hervorragende persönlichen Kontakte in Politik und Gesellschaft. Groß geworden aber ist ihre „Post“ erst im aktuellen Vorwahlkampf. Heute hat sie den „Drudge Report“, die bisherige Nummer eins unter den politischen Blogs, überholt und kommt auf rund 3,2 Millionen Besucher pro Monat (Drudge Report: 1,8 Millionen). Die Top 1000 der Blog-Suchmaschine Technorati führt die Post mit einem „Authority-Index“ von knapp 23.500 an (zum Vergleich: Das erfolgreichste deutsch Blog „Basic Thinking“ erreicht 2.100).

Ein neuer Journalismus ist hier am Werk. Auf den Seiten der Huffington Post kommt jeder zu Wort. Aber die Redaktion bezieht deutlich Stellung und wagt dezidierte Prognosen zum Ausgang des Wahlkampfs. Die Devise: Meinung äußern, um etwas zu bewegen. Seit 2007 schreibt die Seite schwarze Zahlen. Auch redaktionell wird die Huffington Post flügge. In Zukunft sollen Profis wie die frühere „Newsweek“-Redakteurin Melinda Henneberger für mehr investigative Recherche sorgen.

Damit tritt die Huffington Post in direkte Konkurrenz zu den großen etablierten Zeitungen wie der „New York Times“ und „Washington Post“. Wie bedrohlich manche konservativen Beobachter schon jetzt den Einfluss der Internet-Zeitung empfinden, verdeutlicht ein Kommentar des Ultra-Rechten Bill O’Reilly von FoxNews: „Zwischen Arianna Huffington and Joseph Goebbels gibt es keinen Unterschied“.

Anders als die „Huffington Post“ funktionieren Communitys und Netzwerke mit ihrer selbstorganisierenden Meinungsbildung. Wie groß deren Einfluss mittlerweile auf die politische Stimmungslage ist, zeigte sich deutlich im Zuge des demokratischen Vorwahlkampfs. Obwohl Hillary Clinton über größere Geldressourcen und Verbindungen im politischen Establishment verfügte, konnte Obama aufholen: Es gelang ihm, die unteren Bevölkerungsschichten zu mobilisieren. Dazu kommt die neue Generation der „Millenials“: junger, politisch aktiver Menschen, die in digitalen Communitys zu Hause sind und Einfluss beanspruchen.

„Mehr als 300.000 Menschen haben Obama als ihren ‚Freund‘ eingetragen“, sagt MySpace-Politikchef Lee Brenner im Interview mit der Süddeutschen Zeitung. Und diese Zahlen ändern sich sehr schnell, da die Leute spontan auf aktuelle Informationen reagierten. Im interaktiven Web werden aus Konsumenten der Wahlpropaganda Individuen, die ihre Überzeugungen ausdrücken, andere beeinflussen und so das politische Schwarmverhalten mitsteuern. „Auf Myspace kann man in Echtzeit die Dynamik des Wahlkampfs beobachten,“ so Brenner.

Bleibt die Frage ob das Internet eine politische Richtung begünstigt. „Die Demokraten sind aktiver und gewitzter im Gebrauch des Mediums,“ befindet Lee Brenner. Sein Fazit: „Nur mit MySpace-Seiten und YouTube-Videos wird niemand Präsident, aber ohne smartes Web-Konzept kommt man nicht mehr ins Weiße Haus.“

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